Publikation

Psychosomatisch bedingte Ellbogenschmerzen

Fallstudie aus der psychologischen Praxis

Anamnese:

Robert, 40 Jahre alt und seit einigen Jahren geschieden, kommt in meine Praxis und macht einen sehr niedergeschlagenen Eindruck auf mich. Er hat eine Odyssee durch die Ärzteschaft hinter sich, vom Hausarzt bis zu Fachärzten, die seinen schmerzenden Ellbogen mit schulmedizinischen Mitteln behandelten. Diagnostische Mittel wie z.B. röntgenologisch erhobene Befunde ergaben kein klares Bild der Ursache der offensichtlich vorhandenen Schmerzen. Medikamentöse Therapien brachten nicht den erwünschten Erfolg. Der zuletzt behandelnde Arzt stellte als einzig erfolgversprechende Therapie eine umfangreiche Operation des Gelenkes in den Raum. Robert ist ratlos und weiß nicht mehr weiter.

Erste Erkenntnisse:

Die Art, wie Robert sich mir gegenüber verhält, wie er spricht und den Kontakt zu mir sucht, zeigt mir, dass er einen Menschen sucht, der ihm zuhört, ihn ernst nimmt und für ihn da ist. Im Verlauf des Gesprächs kommt immer deutlicher zum Ausdruck, dass Robert seine Kindheit in keiner guten Erinnerung hat. Die Auswirkung einer Scheidung und danach häufig wechselnde Väter prägten ihn stark. Er fühlt sich oft alleine gelassen, einfach nicht wahrgenommen. Sein unentwegtes Streben nach Aufmerksamkeit lässt ihn oft Dinge tun, die ihm zwar Aufmerksamkeit einbringen, aber durchaus nicht immer positive.

Diagnose:

Robert ist sehr besitzergreifend. Aus seinen Schilderungen wird deutlich, dass er Personen, bei denen er sich wohlfühlt, versucht, mit allen Kräften festzuhalten. Er ließ sich oft ausnutzen, stellte seine eigene Persönlichkeit und seine Bedürfnisse in den Hintergrund, nur um den Kontakt mit bestimmten Personen halten zu können. Dabei klammerte er mit allen Kräften.

Therapie:

Die klientenzentrierte Gesprächsführung ist optimal für Robert, um sich selbst zu reflektieren und sich zu öffnen. Auch die Progressive Muskelentspannung baue ich ins Therapiekonzept ein.

Schon in der ersten Sitzung nimmt Robert mich als Gesprächspartner an. Mit viel Empathie und Wertschätzung gelingt es mir, dass Robert sich öffnet und offen über seine Gefühle spricht. Es stellt sich heraus, dass Robert nie gelernt hat, „nein“ zu sagen und ständig Angst hat, die Zuneigung seitens ihm wichtiger Menschen zu verlieren.

Robert erkennt, dass er in der Vergangenheit oft ausgenutzt wurde und wie sehr er sich an falsche Überzeugungen geklammert hatte, und fängt an, sein Selbstwertgefühl mit anderen Augen zu sehen. In den nächsten Wochen lernt er, „nein“ zu sagen und berichtet von einer in Folge dessen deutlich für ihn spürbaren höheren Anerkennung in seinem sozialen Umfeld.

1 Jahr später:

Robert kommt glücklich in meine Praxis. Ihm geht es gut. Er erzählt, dass er nicht mehr klammert und gelernt hat, loszulassen. Gleichzeitig seien seine Schmerzen im Ellbogengelenk verschwunden. Die Übungen der Progressiven Muskelentspannung führt er täglich durch, sie sind zu einem Bestandteil seines Lebens geworden. Robert hat sich einen neuen Freundeskreis aufgebaut und sogar eine Freundin, was ihn sehr glücklich macht.

Ab und zu sehe ich Robert noch und er ist dankbar dafür, dass er keine Operation erdulden musste.